Von Rollen und Eiern

Am letzten Sonntag hat Regierungsrat Alex Hürzeler dem Schriftsteller Christian Haller auf dem Schloss Lenzburg den Aargauer Kunstpreis überreicht. Die Beiden sind sich vor rund 20 Jahren schon einmal begegnet. Damals war Hürzeler Treuhänder und Haller Kunde des Treuhandbüros, in dem Hürzeler tätig war. Am Sonntag erhielt Haller von Hürzeler dann statt einer ausgefüllten Steuererklärung den Aargauer Kunstpreis – ist doch nicht schlecht!

Das Beispiel zeigt: Wir tragen verschiedene Hüte und spielen unterschiedliche Rollen, die sich im Laufe des Lebens verändern. Im vorliegenden Fall wurde Hürzeler vom Treuhänder zum Regierungsrat und Haller vom Kunden zum Kunstpreisträger. Im extremsten Fall wird man vom Bettler zum Millionär oder vom Saulus zum Paulus oder umgekehrt. Mit einer neuen Rolle sind auch andere Aufgaben, Verantwortlichkeiten und Ansichten verbunden, ist ja klar. Doch wenn man es sich so überlegt, hat ja eigentlich jeder und jede ganz viele Rollen, ist VelofahrerIn (auch Velofahrer und Velofahrerin, Velofahrer und -fahrerin, Velofahrer/in, Velofahrende,…; ach, das ist mir jetzt echt zu doof. Ich werde fortan nur noch die weibliche Form verwenden, wobei selbstverständlich beide Geschlechter gemeint sind, denn ich will ja um himmelsgottswillen niemanden diskriminieren, schon gar nicht die Männer! Apropos, da kommt mir gerade in den Sinn, dass die Schweden neulich die neutrale Form „hen“ eingeführt haben, statt „han“ für „er“ oder „hun“ für „sie“, ganz im Sinne des deutschen „man“. Ist ja lustig, aus Hahn und Huhn wird in Schweden eine Henne. Ich würde da eher „kück“ statt „hen“ sagen, ganz im Sinne von „Kücken“. Aber mich fragt ja wieder niemand. Äh, wo war ich stehen geblieben? Ach ja, die Rollen… ), Bürgerin, Mutter, Konsumentin, Schwester, Tante, Geliebte, Passagierin undundund. Und eigentlich wechselt man diese Rollen auch nicht langsam im Laufe der Jahre sondern nur zu gerne innert Bruchteilssekunden. Wobei sich diese vielen Rollen mitunter ganz schön in die Quere kommen. Ein klassisches Beispiel dafür ist doch die Situation im Laden vor dem Eierregal:

Die Haushälterin in einem will die billigsten Eier, ist ja klar. Doch das passt der Abgeordneten für Nachhaltigkeit nun gar nicht. „Aber was ist denn nun eigentlich Öko?“, schaltet sich die Kritikerin ein. „Scheissegal“, sagt die Pragmatikerin, die für ihre dominante Art unter den Rollen bekannt ist, und greift nach der Packung, die sich genau auf ihrer Augenhöhe befindet. Und so kommt es, dass am Schluss die Körpergrösse entscheidet, ob man die Bodenhaltungseier, die Eier aus der Region oder die Freilandeier wählt; so viel zum Thema Eier und Rollenkonflikte.

Und was ist jetzt die Moral von der Geschichte? Naja, auch Eier können rollen (und wenn „hun“ sie ausbrütet, schlüpfen daraus die „kück“).

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