Der „Bestatter“ und der Service public

Wegen der Bevorstehenden Abstimmung zur SRG reden alle vom Service public und ob Sendungen wie der „Bestatter“ auch zum „Service public“ gehören. Da habe ich mich gefragt: Was bedeutet eigentlich Service public? Und was war nochmal gleich der „Bestatter“?

Frei übersetzt ist der Service public doch ein Dienst an der Öffentlichkeit. So auf den Alltag des kleinen Bürgers übertragen heisst das etwa, dass man Service public bietet, wenn man zum Beispiel auf einer öffentlichen Toilette die leere Klorolle wechselt, im Büro am Drucker das Papier auffüllt oder bei der Kaffeemaschine im Kaffeeraum den alten Kaffeesatz entsorgt. Soviel zum Service. Public heisst, dass man diese Dienstleistungen für die Öffentlichkeit erbringt, also für alle. Das schliesst auch jene mit ein, die zum Beispiel nie Kaffee trinken. Selber Schuld, wenn die keinen Kaffee mögen oder vertragen! Schliesslich wäre der Kaffeesatz auch für sie entsorgt und die Maschine stets zu ihren Diensten bereit. So oder so – der Service ist erbracht und könnte immerhin von 80% der Schweizer Bevölkerung genutzt werden, denn so viele trinken mindestens ein- bis mehrmals täglich Kaffee.

So ähnlich verhält es sich mit dem Service public der SRG. Sie macht ein Fernsehprogramm für alle, auch für jene, die keinen Fernseher haben oder die ihre Programme nicht mögen. Selber Schuld, wenn die Zuschauer in den Wohnzimmern „The Voice“, das Skirennen am Lauberhorn oder den „Bestatter“ nicht sehen wollen. Diese Programme tragen schliesslich zur Zusammegehörigkeit der Schweizerinnen und Schweizer bei. Ausserdem schauen sich 96% der Schweizer Bevölkerung im Alter von über 15 Jahren mindestens einmal pro Woche ein Programm der SRG an. Grund genug – und hier liegt der kleine aber feine Unterschied zu den oben genannten Beispielen – alle für diesen Service public zur Kasse zu bitten.

Soweit so gut. Für mich blieb darauf noch die Frage zu klären, wie und was denn der „Bestatter“ ist und wie er mit dem Service public in Zusammenhang steht. Und so verzichtete ich ausnahmsweise darauf, es mir mit einer Tasse Tee auf dem Sofa bequem zu machen und auf Kanal 3+ den „Bachelor“ zu schauen. Um mein Zusammengehörigkeitsgefühl mit dem Rest der Nation zu stärken, setzte ich mich als Kaffe-Abstinentin und „Bestatter“-Novizin  mit einem Kaffeetässchen vor den Fernseher und sah mir eine Folge der Serie an. Und während ich das bittere Heissgetränk schlürfte und mich so mit dem Thema Endlichkeit, Tod und Hinterlassenschaft des „Bestatters“ konfrontiert sah, fragte ich mich, ob sich der Service public für das Fernsehen künftig nicht besser über die Erbschaftssteuer finanzieren liesse als über Gebühren.

P.S. Nach Fertigstellung dieses Textes fand ich meine jährliche Billag-Rechnung im Briefkasten… Big brother is watching – and punishing -me!

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2 Gedanken zu “Der „Bestatter“ und der Service public

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