Das Doggybag

Gäste aus dem Ausland sind nicht nur eine grosse Bereicherung, weil sie leckere Sachen mitbringen und einem eifrig das schmutzige Geschirr spülen. Gäste aus dem Ausland öffnen einem auch die Augen über das eigene Land und seine Bräuche und Sitten. So denke ich zum Beispiel jedes Mal wenn ich den Bus nach Wülflingen heranfahren sehe an meine australische Gastschwester. Sie erheiterte sich sehr über das Wort „Wülflingen“. Da sie das „ü“ nicht aussprechen konnte, wurde Wülflingen zu Wulflingen, also auf Englisch zu woolf flingen. Einen „Woolf“ zu „flingen“ bedeutet so viel wie einen Wolf mehrmals über dem Kopf zu schwingen, ehe man ihn kraftvoll von sich schleudert. „Woolf flingen“, also ein Volkssport der Winterthurerinnen und Winterthurer. Für Gäste aus dem englischsprachigen Ausland ist das „Bad Egg“ natürlich ein Klassiker, wohl der meist fotografierte Wegweiser am Greifensee, und Rüti klingt doch wie Rösti. Ob man das essen kann? Selbst für Gäste aus dem nördlichen Nachbarland sind Schweizer Ortsnamen mitunter ein Kuriosum. In den letzten Tagen hatte ich Besuch aus Köln, der am Bahnhof Kloten aus heiterem Himmel zu kichern begann. Und so erfuhr ich, dass „Klöten“ zumindest in Köln, soweit ich aber verstanden habe, in ganz Nordrhein-Westfalen, männliche Geschlechtsteile sind. Somit werde ich in Zukunft also auch nicht mehr ganz unbekümmert nach Kloten fahren können, nachdem nun schon das Bad Egg, Wülflingen und Rüti seltsame Gefühle hinterlassen.

Mehr noch als über die Sprache hat sich mein Besuch aus Köln über unsere Abfalltrennung gewundert. Nicht, dass man das in Köln nicht auch macht. Dass aber unsere Zeitungen und unser Karton nur in kompakten und ordentlichen Bündeln von der Müllabfuhr mitgenommen werden, stiess auf grosse Verwunderung. Am faszinierendsten aber fand mein Gast die Entsorgung von Hundekot. Schilder wie „Kotaufnahmepflicht“ und „Bitte nur verknotet einwerfen!“ wurden eifrig fotografiert. Man fragte sich, ob es auch eine Kotabnahmepflicht, eine Kotbereitstellungspflicht und eine Kotaufbereitungspflicht gibt. Auf jeden Fall besteht in der Schweiz eine Kotentsorgungspflicht. Und so kam es, dass mein Gast mit Kotbeutelchen als Souvenir nach Hause reiste (endlich mal etwas, das in der teuren Schweiz nichts kostete) und jetzt ein ganz neues Verständnis vom Doggybag hat.

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Ein Gedanke zu “Das Doggybag

  1. Elisabeth Klinger schreibt:

    Die sind aber in Köln rückständig. Berlin kennt das Problem und geht es an.Dort heisst es kurz und knapp am orangen Abfallkübel: Danke für die Hot Dogs Hundegeschäft eintüten, einwerfen, fertig

    Gefällt mir

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