Geburstage

Ich gebe es zu. Auch als gestandene Mittvierzigerin liebe ich Geburtstage. Ich habe mir gestern – irgendwie schien mir der Zeitpunkt dafür passend – darüber Gedanken gemacht, warum das so ist. Und ich fand natürlich eine Menge guter Gründe: Kuchen, Geschenke, Blumen, Karten, SMS,… Wenn du im Frühling Geburtstag hast, hast du ausserdem die Chance, an einem der ersten warmen Tage draussen im Garten zu feiern. Das Schönste am Geburtstag aber ist, dass du nichts leisten oder tun musst und trotzdem denken deine Familie, Freunde und Bekannten an dich und du erhältst Glückwünsche dafür, dass du einfach da bist und vor dich hin alterst. Wann gibt’s das sonst noch in unserer Leistungsgesellschaft mit ihrem Jugendwahn?

Geburtstage haben noch einen Vorteil: Mit jedem Geburtstag legt man an Vergangenheit zu. So langsam werden Freundschaften älter und Erinnerungen immer zahlreicher. Es gibt nicht nur immer mehr Menschen, die du kennst, sondern auch mehr Orte, die du bereist, Dinge, die du gelernt, Lieder, die du gesungen, Wanderungen, die du unternommen, Konzerte, die du gehört, Karten, die du geschrieben, Filme, die du gesehen und Mahlzeiten, die du genossen hast. Klar, lässt sich das Ganze auch umkehren. Mitte Vierzig ist das Glas nicht nur halb voll sondern auch halb leer. Die Zukunft nimmt langsam ab. Aber darüber weisst du halt noch nichts, ausser vielleicht, wo du schon für die Sommerferien gebucht oder was du für das nächste Wochenende (in manchen Fällen sind es auch die nächsten 17 Wochenenden) geplant hast.

Wie gut, dass es da noch die Gegenwart gibt. Das ist dann die Zeit zwischen den Geburtstagen, in der du dich nicht um dein Alter scherst und einfach vor dich hin lebst, dir zum über 30’000. Mal die Zähne putzt, dich zum über 16’000. Mal schlafen legst, zum 23. Mal den eigenen Geschirrspüler ausräumst, aber auch immer wieder Dinge zum ersten Mal tust. So als Übung habe ich mir das mal an meinem Beispiel überlegt  und bin auf erstaunlich viele Dinge gekommen, die ich allein letzte Woche zum ersten Mal gemacht habe. So habe ich erstmals bei der Migros meine Einkäufe selbst eingescannt (Kumulierung inklusive!) und fühlte mich dabei sehr fortschrittlich. Ich bin zum ersten Mal auf einen Strommasten geklettert (nun gut, bis ganz nach oben haben sie mich nicht gelassen aber ich war immerhin 10 Meter über dem Boden), habe meine erste Pirouette mit meinen nigelnagelneuen Ballettschläppchen gedreht und war im Bastelzentrum Bern, wo mir fast die Tränen kamen. Wenn es einen Himmel auf Erden gibt, dann ist das das Bastelzentrum am Bubenbergplatz! Zu guter Letzt habe ich letzte Woche zum ersten Mal meinen 44. Geburtstag gefeiert.

Ups, das würde jetzt wohl zu den Dingen führen, die ich letzte Woche zum letzten Mal gemacht habe. Aber da ist jetzt nicht die Zeit dafür. Ich will das rosige Bild, das ich soeben vom Älterwerden gemalt habe, nicht vesauen und stattdessen lieber unbeschwert weiter altern.

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2 Gedanken zu “Geburstage

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