Wolkenflucht oder Schönreden oder viele Spesen – wenig gewesen

Die letzten Tage waren voller Besucher, Programm und Wolken. Ich verbrachte sie damit, meine Gäste aus dem nahen und fernen Ausland an den Wolken vorbei in die Berge zu bringen, um ihnen möglichst schöne Ausblicke zu gewähren. Das letzte April-Wochenende war diesbezüglich ein ziemlicher Reinfall, wie mein Besuch aus Deutschland schmerzlich erleben musste. In der Woche nach Pfingsten hatte ich Besuch aus Australien und auch die wollten natürlich Berge sehen, und zwar richtige.

Und so brachen wir am Mittwochmorgen auf zur Mission Matterhorn. Wir standen früh auf, fuhren nach Kandersteg, bezahlten brav die Gebühr für den Autoverlad, fuhren auf den Autozug auf und wackelten mit angezogener Handbremse durch den stockfinsteren Eisenbahntunnel ins Wallis. So weit so gut. Mit dem Auto ging es weiter nach Täsch, dort war Endstation für unseren PKW. Brav bezahlten wir die Bahntickets nach Zermatt und nahmen den nächsten Zug. In Zermatt liefen wir mit Blick nach oben durchs Dorf, bis wir endlich den oberen Teil des Matterhorns sahen. Schön, aber irgendwie noch nicht nah genug. Also beschlossen wir, da wir schon mal in Zermatt waren, noch die Bergbahn auf den Gornergrat zu nehmen. Das letzte Bähnchen war eben erst abgefahren, also bezahlten wir brav die Tickets fürs nächste Bähnchen. Inzwischen begannen Wolken das Matterhorn einzuhüllen, so wie es die Wetterprognosen angekündigt hatten. Wir wurden langsam nervös.

Der Himmel hatte schon eine ziemlich bleierne Farbe und die Wolken hingen reichlich zäh an der Flanke des Matterhorns als uns die Zahnradbahn endlich gemächlich immer höher Richtung Gornergrat brachte. Im Abteil nebenan plärrte eine Chinesin in ohrenbetäubender Lautstärke in ihr Smartphone. Alphornklänge aus dem Lautsprecher kündigten die erste Zwischenstation an. In.der zweiten Zwischenstation stiegen Bauarbeiter aus, in der dritten stapelten sich alte Teppiche un Sofas auf dem Perron – Zwischensaison. Die Wolken schoben sich weiter vor das Matterhorn. An der Bergstation angekommen, quetschten wir uns durch die Drehkreuze und an den kreischenden Inderinnen in ihren bunten Saris vorbei, die sich begeistert auf den pampigen Schnee stürzten und sich damit bewarfen.

Immerhin, es gab Momente, in denen man das Matterhorn fast ganz sah. Und immerhin sah man auch die wunderbare Gletschwerwelt, die Monte Rosa Hütte und den höchsten Gipfel der Schweiz, die Dufourspitze. Wir machten Panoramafotos, Selfies mit abgeschnittenen Köpfen und Berggipfeln. Die Kunst bestand nicht nur darin, das Matterorn im richtigen Moment einzufangen sondern auch die japanischen Touristen nicht aufs Bild zu kriegen. Wir filmten im Kreis, riefen via FaceTime in Australien an und zeigten den Eltern und Kindern meiner Gäste das Matterhorn oder jedenfalls das, was davon teils zu erkennen, teils zu erahnen war. Trotzdem: Wow, Awesome! Irgendwann war das Matterhorn dann aber vollends eingewolkt. Also fuhren wir nach Zermatt hinunter, stiegen um in den Shuttle-Zug nach Täsch, wo wir brav die Parkgebühr im Parkhaus beglichen. In Goppensteil zahlten wir den Autoverlad nach Kandersteg und kehrten in die Berner Agglo zurück. Wir waren zufrieden, wir hatten den bekanntesten Berg der Schweiz gesehen. Dennoch muss man zu unserer Mission Matterhorn sagen, dass wir in Anbetracht der vielen Spesen doch recht wenig gesehen hatten.

Am Donnerstag fuhren meine australischen Gäste ohne mich nach Grindelwald und Lauterbrunnen. Sie sahen nur den untersten Teil von Eiger, Mönch und Jungfrau und beschlossen daher, nicht auf die Kleine Scheidegg oder aufs Joch zu fahren.

Am Freitagmorgen, bevor die Australier wieder nach Down Under abreisten, hatten sich die Wolken weitgehend verzogen. Und so hatten wir die schönste Bergsicht zuletzt doch wieder vom Berner Hausberg, dem Gurten, wo das Ticket fürs Bähnli retour 10.- CHF kostete.

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