Dichtestress auf dem Bachtel

„Wo ist Walter?“ so lautet der Titel einer beliebten Bilderbuchserie von Martin Handford. Auf sogenannten Wimmelbildern müssen die – meist sehr jungen – Betrachter  unter ganz vielen Menschen Walter finden. Dieser trägt stets eine rot-weiss-geringelte Mütze und ein eben solches Leibchen. Etwa so wie in einem Wimmelbild fühlte ich mich am Sonntag auf dem Bachtel. Der Nebel lag unten besonders zäh, sodass Frau und Herr Schweizer auf der Suche nach Sonne und Wärme in die Höhe pilgerten.

Die Höhenstrasse auf den Bachtel ist sonntags für Autos gesperrt. Das Schild stand in Wernetshausen mitten auf der Strasse; also fuhren wir weiter zum Hasenstrick. Dort war der Parkplatz noch fast leer als wir das Auto im Nebel abstellten und uns zu Fuss auf den Weg zum Bachtel machten. Doch je höher wir kamen, desto mehr Wanderer kamen von allen Seiten hinzu. Bis wir fast in Schlangen den Bachtel hinaufstiegen. In Orn war der Parkplatz trotz Sonntagsfahrverbot rappelvoll mit Autos. Dementsprechend verdichtete sich der Menschenstrom, der den letzten Aufstieg von der Bachtel-Ranch zum Bachtel-Kulm zurücklegte. Während uns der Hund einer Spaziergängerin hinter uns immer wieder zwischen die Beine geriet, mussten wir uns anhören, wie sich ein Päärchen ein paar Meter weiter hinten ankeifte. Vor uns versperrte eine Familie die Strasse, die gerade ein Gruppenfoto machte. Durch den Gegenverkehr von Fussgängern, die von oben kamen, bildete sich ein regelrechter Stau. Nun kam auch noch sechs Mountainbikers von hinten, die verzweifelt versuchten, bei dem langsamen Tempo das Gleichgewicht zu halten, ohne absteigen zu müssen.

Beim Abzweiger in den Wanderweg beschlossen wir, auf der Strasse zu bleiben, da dort weniger Leute gingen. Endlich lichtete sich der Nebel. Auf dem Weg Richtung Bachtelspalt fragten wir ein älteres Pärchen mit Hund, ob das Sitzbänkchen weiter vorne noch frei sei. Nein, sagten diese, es sitze dort schon jemand, aber man könne sich sicher dazusetzen. Wir hatten Glück und fanden ein anderes freies Bänkchen mit Blick auf das Nebelmeer und das herrliche Panorama. Als wir so in die Sonne blinzelten, sahen wir am blauen Himmel die Kondensstreifen von den Zugvögeln (vgl. Blog-Beitrag „Zugvögel“ von letzter Woche). Ich zählte sieben Stück, der achte war noch am Wachsen. Der Schinken für unser Picknick war kaum ausgepackt, da kam der erste Hund mit erhobenem Schwanz und hoffnungsvollem Blick auf uns zu. Ein sportlich bekleidetes Pärchen, zu dem der Hund offenbar gehörte, pfiff das Tier zurück. Weiter oben kläfften sich ein Boarder-Collie und ein Spitz an. Scharen von Spaziergängern zogen an unserem Bänkchen vorbei, sodass wir kaum nachkamen uns für die guten-Appetit-Wünsche zu bedanken.

Wir gingen an diesem Sonntag nicht auf den Turm – zu viele Leute. Und auch das Restaurant mieden wir. Trotzdem war es ein schöner Ausflug und es gab genug Sonne für alle. Nur etwas wurmte mich sehr. Obwohl so viele Leute auf dem Bachtel waren, sah ich kein einziges bekanntes Gesicht. Dabei bin ich überzeugt, dass ich als Zürcher Oberländerin mehrere Bekannte hätte sehen müssen.

Darum liebe Freunde und Bekannte: Zieht euch doch bitte in Zukunft, wie Walter, eine rot-weiss-geringelte Mütze an, wenn ihr an einem Sonntag bei Nebel in den Niederungen auf den Bachtel wandert, damit ich euch auch finden kann. Danke!

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