Der Eisvogel im öden Einerlei

Neulich waren meine Schwester und ich wieder einmal spazieren. In einer wunderschönen Flusslandschaft blieben  wir an einer Tafel stehen, die über die  Renaturierung und die Bedeutung der Artenvielfalt informierte. Und wie auf all diesen Tafeln – überall in der Schweiz – war darauf als Beispiel für die Artenvielfalt der Eisvogel abgebildet. Abgesehen davon, dass ich es ein bisschen eintönig finde, wenn man auf allen Tafeln über Artenvielfalt an allen renaturierten Flusslandschaften den gleichen Vogel abbildet, habe ich noch nie einen Eisvogel gesehen. Gibt es den Eisvogel wirklich in der Schweiz und ich war einfach zu ungeduldig oder zu wenig neugierig, um ihn zu entdecken? Oder ist er inzwischen ganz ausgestorben und ziert nur noch veraltete Informationstafeln? Ich hoffe natürlich ersteres. Doch im Vergleich zu anderen Ländern ist die Schweiz punkto Artenvielfalt ja nicht gerade Klassenbeste. Dabei ist eine Vielfalt in der Tier- und Pflanzenwelt wichtig für die Natur und den Fortbestand unseres Lebensraums. Das leuchtet irgendwie jedem ein. 

Mit dem Eisvogel im Kopf fuhr ich nach unserem Spaziergang nach Bern zurück, wo ich durch die Spitalgasse und weiter durch die Marktgasse ging. Dort reihte sich H&M, Lush, Tschibo, Weltbild an Migros und Coop; die gleichen Geschäfte, die man auch an der Marktgasse in Winterthur, an der Bahnhofstrasse in Zürich und in allen grösseren Städten der Schweiz antrifft. Ich sah mir die jungen Frauen an, die mir entgegen kamen: Alle trugen langes, offenes und gerades Haar und kurze Shorts. Ich ging in einen Buchladen, in dem die gleichen Bestseller Auflagen, die ich am Tag davor in einem anderen Buchladen in einer anderen Stadt gesehen hatte. Im Bus traf ich eine Kollegin, die von einer Reise erzählte, die drei Bekannte von mir letztes Jahr auch schon gemacht hatten, mit dem Unterschied, dass sie die Insel in umgekehrter Richtung umrundete. Zu Hause telefonierte ich mit einer Freundin und sie erzählte mir von einem interessanten Artikel, den sie im „Tages-Anzeiger“ gelesen hatte. Ich hatte den gleichen Artikel im „Bund“ gesehen. 

Ich will euch, liebe Leserinnen und Leser, nicht weiter mit diesem öden Einerlei langweilen. Jedenfalls finde ich, wir sollten uns in unserer von Globalisierung, Massenproduktion und Massenmedien geprägten Welt wieder mehr auf die Vielfalt und Einzigartigkeit in und um uns besinnen. Sonst ergeht es uns irgendwann wie dem Eisvogel auf der Informationstafel. 

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