Endlich!

Heute wurde ich angeschnauzt. Endlich! Ich dachte schon, mit dieser Stadt stimmt was nicht. Seit sechs Tagen bin ich nun schon in Berlin und bisher waren alle so nett: Die Kellner, die Tischnachbarn, die «Motz»-Verkäufer, die Leute auf der Lesebühne, die Penner auf den Parkbänken, die Kunden im Späti, wo ich am ersten Abend Milch holte, und die Mutter mit ihrem Kind, die wie ich das Kommunikationsmuseum suchte und mich mit Google-Maps dorthin lotste. Alle ausnahmslos nett! Das wurde mir langsam unheimlich.

Die Frau, die mich heute anschnauzte, roch ein bisschen streng. Sie trug ausgelatschte Schuhe, eine Wolljacke. Ihre Zähne waren schlecht und sie hielt ein Bier in der Hand. Ich wäre in der Markthalle fast mit ihr zusammengestossen. Aber eben nur fast. «Pass doch auf, wo du hinläufst!», fuhr sie mich an und schaffte es – obwohl ich ja innerlich seit sechs Tagen ständig in innerer Bereitschaft für sowas war – dass ich mich ein bisschen erschrak. Und so kam ich dann gar nicht mehr dazu, mich bei ihr zu bedanken. Dafür nämlich, dass sie mir meinen Glauben an den unvergleichlichen Berliner Charme zurückgegeben hat.

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