Oberarmtaschen

Meine Grossmutter, die hatte sie, seit ich mich erinnern konnte. Die schlaffen Hauttaschen an der Unterseite der Oberarme. Als Kinder hat uns das immer total fasziniert. Diesen Hauttaschen konnte man mit der Hand einen leichten Stoss geben und schon schwangen sie hin und her. Toll war das! Vor allem auch weil Grossmutter dann immer sauer wurde. Sie hasste das und wir neckten sie gerne damit, ohne so richtig zu verstehen, warum sie sich eigentlich so ärgerte. Die coolen Oberarmtaschen gehörten einfach zu Grossmutter, wie die Runzeln in ihrem Gesicht und die grauen Haare.

Neulich war ich mit dem Fahrrad unterwegs und der Zufall wollte es, dass ich über eine ziemlich holprige Strecke fahren musste. Da vibriert der ganze Körper mit, besonders die Oberarme. Allerdings musste ich feststellen, dass die untere Seite der Oberarme länger nachvibrierte als die obere. Ich nahm das mal so zur Kenntnis. Als ich mich nach der Fahrradtour vor den Spiegel stellte und mit den Fingerkuppen an meinen unteren Oberarmen rumstupste, kam Einiges in Bewegung. Was ich als Kind bei Grossmutter im ausgeprägten Stadium noch total cool fand, wollte mir an mir selber im mittleren Alter nicht einmal im Ansatz gefallen. Das war der Anfang der Oberarmtaschen! Und die unmissverständliche, gnadenlose Botschaft dahinter lautete: Ich werde älter! Eine sportliche Kollegin wusste um das Problem und empfahl mir eine Übung mit dem Terraband. Ich habe beschlossen, nicht gegen meine Oberarmtaschen anzugehen. Das Alter und die Schwerkraft siegen sowieso früher oder später. Im Moment sind es ja auch noch keine Taschen sondern einfach ein bisschen schlafferes Gewebe, das ich liebevoll «Schläberli» nenne.

Überhaupt kommt es bei solchen Dingen viel mehr auf die richtige Einstellung und das Naming an. Schliesslich spricht man bei überflüssigem Hüftspeck ja auch von «Hüftgold», «Love Handles» oder «Poches d’amour». Ich setze mich an den Computer und tippe «schlaffe Oberarme Bezeichnung» in die Google-Suche. Siehe da, auch dafür gibt es einen Namen: «Winkearme». Wie nett! «Muskelplatin» würde mir in Anlehnung an Hüftgold auch gefallen oder «Hug-Bags» als Ergänzung zu «Love Handles». Die französische Version wäre dann «Poches Popeye». Auf jeden Fall lautet die Botschaft: Umarme dein Alter mit wabbeligen Armen! Wer möchte, kann ihm auch freundlich zuwinken – ohne dabei die Hände aus den Hosentaschen zu nehmen.

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Ein Gedanke zu “Oberarmtaschen

  1. Barbara Klinger schreibt:

    super chrigi, du triffst es auf den punkt! grosmami hätte sicher freude an deiner geschichte! herzlich, barbara

    Von meinem iPhone gesendet

    >

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