Upside down under

Platz ist etwas Relatives – so wie Zeit. Obwohl man Platz in Metern, Centimetern und Millimetern und Zeit in Stunden, Minuten und Sekunden messen kann. Das hat mich meine Reise nach Australien gelehrt. Die Australier, die haben ja Platz zum Versauen. Denen käme es nicht im Traum in den Sinn, mehrstöckig zu bauen. Wozu Treppen steigen, wenn der Platz in Hülle und Fülle vorhanden ist? Die haben Wohnzimmer in der Grösse von Turnhallen, Sofasessel so gross wie ein Mittelklassewagen, fünfspurige Strassen quer durch die Städte und fette Autos. Everything’s big in Australia! Weil aber alle so viel Platz beanspruchen, braucht es umso mehr Zeit um von A nach B zu gelangen.  Aber das ist egal, denn die Zeit ist in Australien sowieso komisch.

Wenn man nach Australien reist, dann verschiebt sie sich: Der Frühling wird zum Herbst, aus Sommerzeit wird Winterzeit und aus Tag wird Nacht. So war ich denn auch ziemlich verwirrt, als wir eines Tages am Strand über den Stand und die Bahn der Sonne diskutierten. Die Sonne war nicht dort, wo ich sie erwartet hätte. Ich war überzeugt, dass sie in Richtung Osten wandert. Die Australier konnten mich immerhin davon überzeugen, dass die Sonne am Mittag auf der südlichen Hemisphäre im Norden steht. Mit dem Sonnenaufgang und Sonnenuntergang wurden wir uns allerdings nicht einig. wir verblieben schliesslich so, dass die Sonne in Australien eben nicht zringelum sondern backwards und forwards geht. Alles ist eben relativ – aber auf den gutschweizerische Kompromiss kann man sich immer und überall verlassen.

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Nostalgie

„Herzlichen Glückwunsch zum Jahrestag, du hast dich vor vier Jahren auf WordPress registriert“, heisst es heute in meiner Nachrichtenbox von „www.schreibereien.com“. Hm, dann ist es vielleicht doch wieder einmal an der Zeit, etwas zu schreiben. Ich war in den vergangenen drei Monaten ja nicht sonderlich aktiv.

Der Glückwunsch zum Jahrestag meines Blogs passt gerade gut in meine Stimmung.  Es ist nämlich so, dass ich vor 30 Jahren – am 13. Januar 1989 – ins Austauschjahr nach Australien abgereist bin und mich derzeit in einer Nostalgie-Wolke bewege. Erst habe ich mein Tagebuch von damals wieder gelesen. Diese Woche habe ich mich hinter die Briefe gemacht, die mir 1989 von meiner Familie, Freundinnen, Freunden, Verwandten und Bekannten geschickt worden waren. Und ausgerechnet heute habe ich einen Brief von meinem Deutschlehrer an der Kantonsschule Zürcher Oberland gelesen, der mir damals sein Feedback für meinen Aufsatz, den ich kurz vor meiner Abreise noch geschrieben hatte, auf Schreibmaschine tippte und nach Australien schickte. Sinnigerweise ging es im Aufsatz um das Thema Zeit. Mein Deutschlehrer ist vor ein paar Jahren leider verstorben, das macht diesen Brief für mich umso wertvoller. Leider ist er nicht der Einzige, der mir damals geschrieben hat und heute nicht mehr lebt.

Die Briefe von 1989 sind auf hauchdünnes Luftpostpapier gekritzelt. Manche schickten sogenannte Aerogramme, die man sorgfältig öffnen musste, da der Umschlag auch gleich das Briefpapier war. Bei vielen Umschlägen hatte ich damals die Briefmarken rausgeschnitten, weil meine australischen Gastschwestern Marken sammelten. Um Porto zu sparen, haben alle winzig klein geschrieben. Ein Luftpostbrief brauchte in der Regel fünf Tage von der Schweiz bis nach Australien. Dank dieser Briefe habe ich erfahren, dass im Winter 1989 kaum Schnee lag. Es war der trockenste Januar seit 100 Jahren. Dafür war es kalt und oft lag Hochnebel. Der Klöntalersee war schwarz gefroren. Im Januar wurde Kaspar Villiger als Nachfolger von Elisabeth Kopp in den Bundesrat gewählt. Monika Weber habe keine Chance gehabt, meinte mein Vater lakonisch in seinem Brief vom 1. Februar, der erst am 9. bei mir eintraf. Meine Schulkameradinnen hatten arg Stress, da die Lehrer kurz vor der Notenabgabe standen. Ausserdem standen der Skitag und das Skilager wegen Schneemangels auf der Kippe. Australien war damals sehr fremd und weit weg, sodass sie mich mit Fragen nur so löcherten.

Es ist so toll, diese Briefe zu lesen! Eigentlich nehme ich mir jeweils vor, nur einen am Tag zu lesen, aber dann werde ich süchtig und ziehe mir gleich mehrere rein. Übrigens werde ich – als Höhepunkt meiner Nostalgia – dieses Jahr nach Australien reisen. Für die Zusammenkunft mit meiner australischen Schulklasse, die während meines Aufenthalts anberaumt ist, möchte ich noch eine VHS-Kassette auf DVD überspielen und eine Tonbandkassette ist da auch noch… Es lebe die Nostalgie!

 

Der Rest ist Schweigen

Am Samstag habe ich mal wieder richtig der Kultur gehuldigt: Erst Abendessen im Restaurant Kunsthaus und dann Besuch des Theaterstücks „Hamlet“ im Schauspielhaus. Es ist ewig her, seit ich das letzte Mal im Zürcher Schauspielhaus war und auch seit ich „Hamlet“ im Proseminar am Englischen Institut gelesen habe. Einzig das Zitat: „To be or not to be“, ist mir noch in Erinnerung geblieben.

Allein, dass ich den Inhalt des Stücks so ziemlich völlig vergessen hatte, war schon eine Herausforderung. Kam hinzu, dass der „Hamlet“ zweieinviertel Stunden dauern sollte – ohne Pause. Entsprechend lang war die Schlange vor der Damentoilette kurz vor Beginn der Vorstellung. In meinem Fall kam noch eine weitere Herausforderung hinzu: Halsschmerzen mit Hustenreiz. Dementsprechend hatte ich mich mit einem Schächtelchen Ricola-Kräuterbonbons bewaffnet. Dabei war mir egal, wer Ricola erfunden hatte, Hauptsache die Bonbons nützten. Und so sass ich neben zwei Freundinnen erwartungsvoll im Saal. Langsam ging das Licht aus, das Gemurmel im Publikum verstummte und vorne auf der Bühne begann das Stück. Ich steckte mein erstes Hustenbonbon in den Mund. Kaum war ich damit fertig, das zweite – mein Reizhusten hatte keine Chance.

Auf der Bühne vorn nahm das Spektakel seinen Lauf. Ich gewöhnte mich langsam an das Shakespear’sche Hochdeutsch und begann mich zu entspannen. Mit der Zeit verlängerte ich die Abstände zwischen den Hustenbonbons. Mein Vorrat würde nicht ewig reichen und ein bisschen husten zwischendurch war ja o.k. Das taten Viele, meistens dann, wenn auf der Bühne vorn Musik gespielt wurde. Dann wurde im Saal kräftig abgehustet. Als Rosenkranz und Güldenstern zum ersten Mal auf die Bühne traten, begannen mir die Gedärme wehzutun. Die Ricola-Hustenbonbons waren zuckerfrei und hatten deshalb eine abführende Wirkung. Mist, ich hätte doch nicht so viele hintereinander lutschen sollen. Sie vertrugen sich schlecht mit dem Krautsalat, den ich im Restaurant Kunsthaus gegessen hatte. Ich hatte zunehmend mit Bauchkrämpfen und Darmwind zu kämpfen – und richtig stellte Hamlet auf der Bühne vorn fest: „Etwas ist faul im Staate Dänemark“. Er hatte gerade Polonius, den Vater seiner geliebten Ophelia, erstochen, als ich – geplagt von zunehmendem Hustenreiz – wieder ins Schächtelchen mit den Ricola-Bonbons griff und feststellte, dass mir nur noch zwei Stück blieben. Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass das Schauspiel noch eine Dreiviertelstunde dauern würde. Bauchweh, Darmwind und Hustenreiz quälten mich immer mehr. Zum Glück bekämpften sich nun Ophelias Bruder Laertes und Hamlet mit Schwertern. Die Szene war ohne Dialog und so konnte ich etwas hemmungsloser husten, also so bis mir die Augen tränten. Nun musste ich zu meinem Schreck auch noch feststellen, dass mein Beckenboden langsam nicht mehr mitmachte.

Ich fragte mich, wessen Pein grösser war, Hamlets oder meine. Aber das, so sagte ich mir, sei ja der Sinn einer Tragödie, dass man sich mit dem Helden identifiziert und dann gereinigt aus der Vorstellung geht. Oder war es bei mir vielmehr der Katarrh, der zur Katharsis führte? Jedenfalls war ich unglaublich erleichtert als Laertes und der König erschlagen und Hamlets Mutter vergiftet auf der Bühne lagen. Tief erschüttert sagte Hamlet: „Der Rest ist Schweigen“. Und ich hätte schwören können, dass er dabei leicht genervt in meine Richtung sah.

Adventsbus-Geschichten 2014-2018

Sie ist da! Am 5. Dezember fand die Buchvernissage der Anthologie „Adventsbus-Geschichten 2014-2018“ in der Alten Kaserne in Winterthur statt. 20 Autorinnen und 1 Autor sind glücklich und stolz auf ihr gemeinsames Werk. Das Buch mit 20 Adventsbus-Geschichten für Jugendliche und Erwachsene und 15 Kindergeschichten ist ab sofort unter der ISBN 978-3-7469-8200-7 im Buchhandel auf Bestellung erhältlich. Die Winterthurer Buchhandlungen Orell Füssli, Obergass und Buch am Platz verkaufen es direkt für 27.50 CHF.

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Wer meine diesjährige Geschichte für Jugendliche und Erwachsene mit dem Titel „Oh du Fröhliche“ im Adventsbus hören möchte, hat am Mittwoch, 19. Dezember um 17.40/18.20/19.00 Uhr Gelegenheit dazu. Die Fahrt inklusive Live-Musik dauert etwa eine halbe Stunde, Abfahrtsort ist die Bushaltestelle Schmidgasse. Auch ohne gratis Platzkarte findet sich stets ein Plätzchen für Kurzentschlossene.

Schreibmüde und doch ziemlich produktiv

Liebe Leserinnen und Leser, heute habe ich nach einer ungewöhnlich langen Schreibpause wieder einmal auf meinen Blog geschaut und war ganz überrascht, wer alles hier war während meiner Abwesenheit. Und da waren Kommentare, die ich noch nicht gelesen hatte und die mich sehr freuten. Vielen Dank! 

To Tell you The Truthahn (eigentlich meinte ich „truth“, aber mein IPad hat mehr Humor als Sprachgefühl): Ich habe wieder ein Buch im Köcher – das hat in den letzten Wochen viel Zeit, Energie und NERVEN (!!!) gekostet. Heute ging es in den Druck. Dieses Mal ist es eine Anthologie mit 35 Weihnachtsgeschichten von 21 verschiedenen Autorinnen und Autoren. Die Geschichten sind im Rahmen des jährlichen Schreibwettbewerbs, den der Adventsbus-Verein Winterthur ausschreibt, entstanden. Die besten Geschichten werden jeweils auf den Adventsbusfahrten im historischen Trolleybus vorgelesen. Da der Adventsbus heuer in seine fünfte Saison rollt, erscheint zum Jubiläum das Buch „Adventsbus-Geschichten“ mit den besten Geschichten der letzten fünf Jahre. Fünf der Geschichten im Buch sind von mir. Das Buch erscheint am 6. Dezember. Eine Geschichte für Erwachsene und eine Kindergeschichte, die ich dieses Jahr eingereicht habe, werde ich im Dezember auch live im Adventsbus vorlesen. Weitere Informationen folgen. 

Ausserdem wurde meine Tiergeschichte „Das Meerschweinchen“, die ich für den Wettbewerb des „Zürcher Oberländers“ eingereicht habe, unter die besten 50 Geschichten gewählt. Sie wird daher Mitte Dezember im Buch „Die schönsten Tiergeschichten“ erscheinen. 

Hm, eigentlich war ich ja doch ziemlich produktiv – einfach nicht auf meinem Blog. Wir lesen uns!

Die Weinverkostung

Kennt ihr das Märchen «Des Kaisers neue Kleider»? Da kommen zwei Schelme in die Stadt, die dem eitlen Kaiser verkünden, sie könnten Kleider schneidern, die nur jene sähen, die ihres Amtes würdig und nicht dumm seien. Tief beeindruckt erteilt der Kaiser den Schelmen den Auftrag, ihm ein neues Kleid zu nähen. Die beiden geben vor, zu weben und zu nähen und führen alle am Hof inkl. Kaiser an der Nase herum. Der Schwindel fliegt erst auf, als sich der Kaiser an einem Umzug dem Volk stolz in seinem neuen „Kleid“ – also splitterfasernackt – präsentiert. Dabei ruft ein Kind laut: «Mama, der hat ja gar nichts an!»

Etwa so wie in diesem Märchen verhält es sich an Weinproben. Wenn immer man in einer Weingegend Ferien macht, kommt man um eine Weinverkostung nicht herum. Da fragt keiner danach, ob man überhaupt Wein trinkt oder mag. Denn, der kultivierte Mensch trinkt und geniesst Wein. Gestern im Südtirol war es wieder einmal so weit.

Andächtig sitzen wir um die Tische mit weissen Tischtüchern und viel zu grossen Gläsern. Da fängt’s bei mir schon an. Wozu müssen die Gläser so gross sein, wenn dann doch nur ein bis zwei Finger breit Wein eingeschenkt wird? Niemand sagt ein Wort bis die langhaarige Blondine, die uns den Wein präsentiert, allen eingeschenkt hat und den Namen des Weins bekannt gibt: Müller-Thurgau. Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Müller-Thurgau! Was für ein bünzliger Name für einen Wein, der im Südtirol angebaut wird. Also ehrlich! Das macht auch der charmante italienische Akzent der Blondine nicht besser. Wie Sonntagsschüler sitzen wir um den Tisch und warten auf weitere Offenbarungen. Bevor wir einen Schluck nehmen dürfen, müssen wir das Glas übers weisse Tischtuch halten, um andächtig die gelbe Flüssigkeit zu betrachten. «Goldgelb» nennt die attraktive Blondine die Farbe. Dann werden die Gläser geschwenkt, man hält vorsichtig die Nase darüber. Die Fortgeschrittenen schliessen jetzt auch die Augen. Hui, und nach was jetzt der Wein alles riechen soll: Zitrone, Früchte und im Abgang ein Schuss Holunder. Kennerhaftes Nicken, ja genau, so riecht es! Endlich setzt die Blondine das Glas an. Jetzt dürfen wir auch trinken. Aber nur einen kleinen Schluck, sonst ist das Glas ja schon wieder leer. Der Wein sei trocken. Auch so ein Ausdruck, den ich nicht verstehe. Wie kann ein Getränk, das mir Zunge und Kehle befeuchtet, trocken sein? Man spricht ja umgekehrt auch nicht von feuchten oder nassen Weinen. Aber ich behalte meine Irritation für mich, ich will mich ja nicht als Banause outen. Vor allem nicht in einer Gesellschaft, in der alle so wissend und verzückt vor sich hinnicken.

Die Blondine erzählt von Holz- und Stahlfässern, vom Alkoholgehalt und von der Reblaus. Auf dem Tisch stehen Körbchen mit Brotwürfelchen. Sie erinnern mich ans Abendmahl in der reformierten Kirche. Überhaupt komme ich mir vor wie in einem Gottesdienst. Ich würde mich nicht getrauen, laut zu sprechen oder gar zu husten, das ist hier eine ernste Sache. Der zweite Wein kommt ins gleiche Glas. Ich finde es ja immer erstaunlich, dass man so ein Tamtam um den Geschmack macht und dann alle Weine ins gleiche Glas reinkippt. Also beim Essen würde ich das nie machen, da gibt’s für die Suppe einen anderen Teller als für den Hauptgang. Aber ich verstehe halt nichts von Wein, darum sage ich auch nichts.

Der nächste Wein ist nochmals weiss, respektive goldgelb – ein Silvaner. Für mich riecht er etwas muffig, aber es seien die Düfte von Melonen und tropischen Früchte, die mir da in die Nase stiegen, sagt die Blondine. Es folgen weitere Ausführungen über das Spritzen und Lagern des Weins. Noch zwei Flaschen to go. Es sind Rotweine. Der La Greina duftet nach Waldfrüchten, hat eine tiefrote Farbe und im Abgang schmeckt er nach Muskat. «Der schmeckt mir bis jetzt am besten», raunt mir meine Sitznachbarin ganz beseelt zu. Sowas darf man natürlich nicht laut aussprechen. Er passe wunderbar zu Trockenfleisch, erklärt die Blondine und tut, als ob sie die Bemerkung meiner Nachbarin überhört hätte. Den letzten Wein, einen Trollinger könne man zu allem trinken. Ich frage mich, was so ein Allerweltswein, den man zu allem trinken kann, an einer so edel inszenierten Weinverkostung verloren hat. Aber ich sage natürlich nichts, denn ich habe ja keine Ahnung von Wein.

Sommerwehmut

«Schön, dass wir nochmals … vielleicht ist es das letzte Mal», diesen Spruch habe ich diese Woche gleich mehrmals gehört: in der Gartenbeiz nach der Chorprobe, am Grillabend auf dem Mitarbeiterausflug und beim Schwimmen in der Limmat. Im Moment sind alle sommerwehmütig. Man könnte meinen, dass nach dem Sommer nichts mehr kommt. Oder anders gesagt: Die Endlichkeit des Sommers lehrt uns, den Moment zu geniessen.

Ist ja eigentlich eine gute Sache, wenn man bedenkt, dass wir heutzutage ständig ziemlich überall sind, ausser im hier und jetzt. Wir tippen auf dem Weg durch den Bahnhof auf dem Handy rum, haben schon seit Jahren auf unserer Pendlerstrecke nicht mehr aus dem Zugfenster geschaut, weil wir die Fahrt lieber dafür nutzen, in der Zeitung zu lesen, was am Tag zuvor in den USA, China oder Korea passiert ist. Wir gehen in Gedanken schon die Tischordnung für die Silvesterfeier durch, planen das überüberüberübernächste Wochenende und haben längst die Destinationen aller Urlaube für die nächsten drei Jahre festgelegt.

Da ist so ein (vielleicht letzter) Spätsommerabend doch Gold wert. Ja und zum Glück sage ich, zum guten Glück haben wir Jahreszeiten! Ich will ja nicht wissen, wie es denen geht, die am Äquator wohnen. Wenn alles immer gleich ist, haben die ja gar keine Gelegenheit, wehmütig die letzten Tage des Sommers und so den Moment zu geniessen. Die armen Ecuadorianer, Kenianer, Somalier und Indonesier. Wie schaffen, die es jemals, im hier und jetzt zu sein?

Oder ist es umgekehrt? Brauchen wir, weil wir nicht im Moment leben können, die Jahreszeiten während die Ecuadorianer, Kenianer, Somalier und Indonesier sowas gar nicht nötig haben, weil sie auch so den Augenblick geniessen können? Vielleicht müsste ich mal hinfahren und fragen… In vier Jahren finde ich möglicherweise ein langes Wochenende, an dem ich so ein Äquator-Studienreisli noch dazwischenschieben kann.