Von Raum- und Körperpflege

Seit ein paar Wochen habe ich in meinem Bad eine nigelnagelneue Duschkabine. Nach über zwei Jahrzehnten mit Duschvorhang ist das eine ganz neue Erfahrung. Die Kabine hat zwei Schiebetüren, funkelnde Griffe und ist überhaupt sehr schön. Nichts klebt einem beim Duschen am Hintern und ich habe freien Blick ins Bad, währenddem ich mich einseife. Einen Einbrecher oder Mörder würde ich durch die Plexiglasscheibe also schon beim Betreten des Bades erkennen und könnte entsprechend reagieren. Das sind Vorteile, die auf der Hand liegen.

Nun ist es aber so, dass das Wasser in Winterthur sehr hart ist und sich der Kalk überall festsetzt. Heisst: Jedes Mal nach dem Duschen muss ich die Plexiglaswände meiner Duschkabine mit so einem Gummischaber abziehen. Bei den geraden Scheiben geht das noch, denn man kann den Schaber zweimal oben ansetzen und dann nach unten durchziehen. Dabei ist zu beachten, dass man, wenn man nach unten kommt, mit dem nackten, frisch getrockneten Hintern nicht gegen die nassen Plättchen an der Rückwand stösst. Bei den gerundeten Türen ist die Prozedur schon aufwändiger. Denn, bei denen muss man quer schaben und den Schaber mehrere Male ansetzen. Kommt dazu, dass man dort, wo sich die Griffe befinden, mit einem Lappen nachbessern muss. Das Gleiche gilt für die Seiten und unten an den Scheiben. Besonders knifflig sind die Stellen, wo sich die Scheiben überlappen. Dort muss man unten die Scheiben lösen (Achtung: trockener Hintern – nasse Plättchen an der Rückwand!), die überlappende Stelle mit dem Lappen abreiben und dann die Scheibe wieder fixieren. Für all diese Arbeiten, befinden sich jetzt nebst meinem Shampo und Duschmittel für die Körperpflege auch ein Schaber und ein Lappen in meiner Dusche: Welcome to the Schab- and Lapp-Community!

Die Zeit, die ich in der Dusche verbringe, hat sich mit der neuen Duschkabine verdoppelt. „Wenn du schabst musst du dafür weniger putzen“, sagen die Einen. „Jetzt putze ich einfach jedes Mal, wenn ich dusche“, sage ich. O.k., ich muss weniger rubbeln, wenn ich die Duschkabine dann mal richtig putze und brauche dafür auch weniger scharfe Putzmittel. Aber unter dem Strich widme ich der Sauberkeit meiner Dusche bedeutend mehr Zeit als früher meiner Badewanne mit Duschvorhang. Und Schaben und Abreiben gehören doch – wie Sprayen und Rubbeln – auch zur Raumpflege. Nun ist es aber so, dass ich beim Duschen in erster Linie Körper- und nicht Raumpflege betreiben will.

Zum Glück habe ich einen Ausweg aus meiner Misère gefunden. Zweimal die Woche bin ich beim Sport und dusche auswärts. Einmal die Woche mache ich Wellness im lokalen Fitnesspark. Da sind dann schon mal drei Duschgänge pro Woche abgedeckt. Und die übrigen Male, die ich zu Hause dusche, richte ich die Brause so, dass der Wasserstrahl möglichst nicht bis zu den Plexiglasscheiben vordringt.

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