Der frühe Ohgwszibau

Ich sitze an meinem PC und weiss nicht, was ich schreiben soll. Es ist Montagmorgen, meine Birne ist leer und draussen ist es Frühling, obwohl eigentlich noch Winter sein sollte. Dieser verfrühte Frühling setzt mich unter Druck. Früh früht sich wer ein früher Frühling sein will. Der frühe Frühling fängt den Wurm. Und lieber den Frühling im Februar als den Spätherbst im Mai. So oder ähnlich geht es mir trotz leerer Birne durch den Kopf, während ich auf die Tasten meines Keyboards einschlage, auf den Bildschirm starre und mich, wahrscheinlich viel zu früh, freue, wie sich die Buchstaben lustig aneinanderreihen. Auch aus einer leeren Birne kommen Wörter. Ist ja schön.

Oh, da kommt ein o, so rund und hohl und stramm auf der Linie. Schwarz auf weiss. Und hinterher ein h. Na sowas, diese Asymmetrie. Sieht aus wie ein Stuhl. Doch jetzt ist nicht die Zeit zum Ausruhen. Erst mal feste weitergetippt. Da purzelt ein g heraus. Das hat vielleicht Nerven! Geht voll unter die Baseline. Sowas ist ja unverschämt. Und dann gleich zwei Hohlräume. Ich kann mich nur wundern. Apropos, da kommt ein w. Ein Vögelivau im Multipack. Hoffentlich regnet’s da nicht rein. Und dann noch ein s. Puh, ganz schön anspruchsvoll. Ob das nur auf eine Seite geht oder ob man es auch umkehren kann? Umgekehrt und abgekantet geht’s ja noch. Dann haben wir das z. Aber das brauchen wir nur selten. Meine Finger tippen munter weiter und es formt sich ein Vorfrühlingswort auf meinem Bildschirm, das seiner Zeit weit voraus ist. Vielleicht hinkt es aber auch nur dem Dadaismus hinterher. Auf jeden Fall findet es, dass es durchaus seine Daseinsberechtigung hat. Es heisst Ohgwszibau.

Auf der Suche nach einer Illustration des Ohgwszibau habe ich das Wort auf Google eingetippt. Leider ist Google noch nicht so weit, dass er dieses wunderbare Frühlingswort kennt: Ihre Suchanfrage „Ohgwszibau“ stimmt mit keinem Bildergebnis überein. … Achten Sie darauf, dass alle Wörter richtig geschrieben sind. … Probieren Sie es mit anderen Suchbegriffen. … Probieren Sie es mit allgemeineren Suchbegriffen.“ Tja, da hat Google noch einen weiten Weg vor sich. Im Gegensatz zu mir, die den Ohgwszibau vor allen Anderen erfunden hat, sich jetzt auf den Balkon setzt und ganz entspannt den Vorfrühling geniesst.

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Frühlingsgefühle

Neulich sah ich bei meiner Nachbarin einen neuen Mann auf dem Balkon: Jung, knackig, frisch geduscht mit feuchtem Haar – ein Adonis. Er grüsste mich freundlich und ich grüsste, wie sich das für eine gute Nachbarin geziemt, nett lächelnd zurück. Meine Nachbarin setzte sich zu ihm und rauchte den ganzen Nachmittag nicht eine Zigarette. Auch der Mann rauchte nicht. Am nächsten Abend begegnete ich dann den Beiden joggend (sie joggten, nicht ich!). Der Kopf meiner Nachbarin war dunkelrot und ging schon fast ins Violette über, während Adonis locker nebenher trabte. Herrjeh, wozu einem die Liebe doch verleitet! Ausgerechnet joggen! Da kann man als Frau doch nur verlieren. Denn nichts zementiert das archaische Rollenbild von Mann und Frau mehr als das Joggen. Fehlt nur noch, dass sie sich dabei den Knöchel verstaucht und er sie retten muss. Klar ist gemeinsames Schwitzen und Keuchen etwas Schönes, aber doch nicht beim Joggen! Also das mit dem Joggen, das war natürlich seine Idee, denn sie hatte ich zuvor noch nie dabei erwischt. Nach meiner – ungefragten – Meinung (und Erfahrung!!) ist das Joggen mit einem neuen Mann vergebene Liebesmüh und zum Scheitern verurteilt. Innert kurzer Zeit läuft man nicht mehr neben- sondern hintereinander her und beide sind genervt. Er, weil es nicht vorwärts geht, sie, weil sie sich völlig auskotzt bei etwas, das sie im Grunde nicht gerne macht und bei dem sie immer im Hintertreffen bleiben wird.

So in meine Gedanken vertieft, durchfuhr es mich plötzlich eiskalt und ich fragte mich, ob das mit dem Joggen und dem Rauchen vielleicht nur die Spitze des Eisbergs ist. Vielleicht verzichtet meine Nachbarin jetzt auch auf ihren Lieblingpyjama mit Börtchen, trägt statt ihren ausgelatschten Adiletten hochhackige Pumps, kocht nur noch vegetarisch, trinkt Pfefferminztee, guckt am Fernsehen statt ihren Lieblingsserien mit ihm Fussball und schämt sich gar für ihre neugierige Nachbarin. Vielleicht wird sie sich wegen mir nie mehr mit Adonis auf den Balkon setzen! Dann hätte Adonis nicht nur ein ganz falsches Bild von ihr sondern – und das wäre richtig schlimm – für mich wäre Schluss mit der Augenweide.

LaktOstern

Pollen, Sonne, Schokoladen
Ostern stehen vor der Tür.
Frühling auf der Zielgeraden,
pubertierende Natur.

In die lauen Frühlingslüfte
mischen sich – oh welch ein Frust –
Blähbauchs Darmwind, herbe Düfte;
roh rächt sich die Schokolust.

Und wo Pollen sich verbreiten,
brennt das Auge, trieft die Nas.
Nieser, laut von allen Seiten
schrecken gar den Osterhas.

Dunkle Schatten endlich weichen.
Sonnenstrahlen mild und warm
bringen Sonnenbrand den Bleichen,
Manchen Hautausschlag am Arm.

Wer den Frühling spürt mit allen
Sinnen hat’s nicht immer leicht.
Trotzdem sind wir ihm verfallen,
solange nur der Winter weicht.

Oder wenigstens bis ihn ein energischer Allergiker roh aus dem Kalender streicht!

Die Ballade von Frosch Fritz

Jeden Frühling fährt’s Frosch Fritz
in die Beine wie der Blitz.
Amor macht mit seinem Pfeil
die Amphibien alle geil.

Fritz hat eine schöne Stimme,
keiner besser hüpf noch schwimme.
Nur einen Makel hat der Tolle:
steht auf Satin, Plüsch und Wolle.

Alle Damen in dem Teich
wären gerne wollig weich.
Doch der Fritz lässt sich nicht täuschen,
spielt im Wasser nur den Keuschen.

Draussen aber auf der Weide
hat er seine grosse Freude,
macht sich an die Schafe weich,
produziert froh Frosch-Schaf-Laich.

Jeden Frühling hüpfen mehr
woll’ne Frösche kreuz und quer.
Ob sie blöken oder quaken
ist egal…

…Hauptsache, dieses unsägliche Gedicht nimmt endlich ein Ende und ihr könnt mit eurer kostbaren Zeit wieder etwas Sinnvolles tun oder zum Bruttosozialprodukt beitragen. Was soll denn der ganze Quatsch mit diesem perversen Frosch und dem Schaf? Doch ganz im Ernst, was ich eigentlich sagen wollte: Mich freut es riesig, dass ihr meine Texte lest, kommentiert und liket. So macht das Bloggen riesig Spass!

Quanke!