Nostalgie

„Herzlichen Glückwunsch zum Jahrestag, du hast dich vor vier Jahren auf WordPress registriert“, heisst es heute in meiner Nachrichtenbox von „www.schreibereien.com“. Hm, dann ist es vielleicht doch wieder einmal an der Zeit, etwas zu schreiben. Ich war in den vergangenen drei Monaten ja nicht sonderlich aktiv.

Der Glückwunsch zum Jahrestag meines Blogs passt gerade gut in meine Stimmung.  Es ist nämlich so, dass ich vor 30 Jahren – am 13. Januar 1989 – ins Austauschjahr nach Australien abgereist bin und mich derzeit in einer Nostalgie-Wolke bewege. Erst habe ich mein Tagebuch von damals wieder gelesen. Diese Woche habe ich mich hinter die Briefe gemacht, die mir 1989 von meiner Familie, Freundinnen, Freunden, Verwandten und Bekannten geschickt worden waren. Und ausgerechnet heute habe ich einen Brief von meinem Deutschlehrer an der Kantonsschule Zürcher Oberland gelesen, der mir damals sein Feedback für meinen Aufsatz, den ich kurz vor meiner Abreise noch geschrieben hatte, auf Schreibmaschine tippte und nach Australien schickte. Sinnigerweise ging es im Aufsatz um das Thema Zeit. Mein Deutschlehrer ist vor ein paar Jahren leider verstorben, das macht diesen Brief für mich umso wertvoller. Leider ist er nicht der Einzige, der mir damals geschrieben hat und heute nicht mehr lebt.

Die Briefe von 1989 sind auf hauchdünnes Luftpostpapier gekritzelt. Manche schickten sogenannte Aerogramme, die man sorgfältig öffnen musste, da der Umschlag auch gleich das Briefpapier war. Bei vielen Umschlägen hatte ich damals die Briefmarken rausgeschnitten, weil meine australischen Gastschwestern Marken sammelten. Um Porto zu sparen, haben alle winzig klein geschrieben. Ein Luftpostbrief brauchte in der Regel fünf Tage von der Schweiz bis nach Australien. Dank dieser Briefe habe ich erfahren, dass im Winter 1989 kaum Schnee lag. Es war der trockenste Januar seit 100 Jahren. Dafür war es kalt und oft lag Hochnebel. Der Klöntalersee war schwarz gefroren. Im Januar wurde Kaspar Villiger als Nachfolger von Elisabeth Kopp in den Bundesrat gewählt. Monika Weber habe keine Chance gehabt, meinte mein Vater lakonisch in seinem Brief vom 1. Februar, der erst am 9. bei mir eintraf. Meine Schulkameradinnen hatten arg Stress, da die Lehrer kurz vor der Notenabgabe standen. Ausserdem standen der Skitag und das Skilager wegen Schneemangels auf der Kippe. Australien war damals sehr fremd und weit weg, sodass sie mich mit Fragen nur so löcherten.

Es ist so toll, diese Briefe zu lesen! Eigentlich nehme ich mir jeweils vor, nur einen am Tag zu lesen, aber dann werde ich süchtig und ziehe mir gleich mehrere rein. Übrigens werde ich – als Höhepunkt meiner Nostalgia – dieses Jahr nach Australien reisen. Für die Zusammenkunft mit meiner australischen Schulklasse, die während meines Aufenthalts anberaumt ist, möchte ich noch eine VHS-Kassette auf DVD überspielen und eine Tonbandkassette ist da auch noch… Es lebe die Nostalgie!

 

Werbeanzeigen

Das grosse 1 x 1

Ich weiss nicht, ob euch das auch schon aufgefallen ist, aber wir sind ja eine sehr zahlengläubige Gesellschaft. Kaum auf der Welt werden unsere Geburtszeit, unser Gewicht und unsere Körperlänge der Welt offenbart. Ob wir per Kaiserschnitt, mit dem Hintern voran oder  mit der Nabelschnur um den Kopf rausgekommen sind, interessiert rein gar niemanden. Auch nicht, ob wir für unsere Geburt eine Einwilligungserklärung unterzeichnet hatten oder nicht. Und so beginnt das Leben, das grosse 1×1, das im Grunde nichts Anderes ist als eine Aneinanderreihung von Zahlen: Gewichtszunahme, Geburtstage, Wachstum, Schulnoten, Zyklus, noch mehr Gewichtszunahme, dann 5 am Tag, 10 vor 10, 7×24, 42 Minuten für den Züriböögg, 41-Stunden-Woche, 63 Facebook-Freunde (Was! Nur so wenige?), 22 Ferientage, 15’000 Franken Lohn im Monat (träumen darf man ja), 1 gegen 100,…

Ganz ehrlich bin ich ja auch recht zahlengläubig, obschon ich in Mathe eine Null war. Ich habe einen Hang zu Schnapszahlen und zum dekadischen System. Als ich heute in meine Blog-Statistik schaute, wurde ich daher gleich doppelt belohnt. Ich stellte fest, dass dies mein 99. Post ist! Die schönste Schnapszahl schlechthin! Jedenfalls habe ich beschlossen, anlässlich meines nächsten Posts (nach Adam Riese der 100.) ein interaktives Experiment zu wagen. Schliesslich ist Partizipation im Zeitalter der sozialen Netzwerke, des Crowd Fundings und der Tiefenlagersuche im Trend. Da will ich nicht hinten anstehen. Also, mein Experiment geht so:  Jede Leserin und jeder Leser darf über die Kommentar-Funktion ein Wort wünschen, das in meinem nächsten Text vokommen soll. Am liebsten sind mir natürlich Wörter wie und, oder, wenn, aber, weil, der, die, das. Aber auch wenn ihr es ein bisschen schwieriger machen wollt, bin ich natürlich dabei und werde mein Bestes geben. Einsendeschluss ist der 2. Mai.

Tasten frei!