Before I die, I want to…

„Before I die, I want to…!“ Diesen Spruch sah ich neulich im Hauptbahnhof an eine Betonwand projeziert. Die Wand befand sich neben einem Stand mit Backwaren. Um mich wogte der alltägliche Wahnsinn der Stosszeit. Und diese Kombination von Brot, Alltag und Tod hat mich nachdenklich gestimmt. Was will ich noch machen, before I die? Hm, das ist eine gute aber sehr persönliche Frage und ich habe darauf eine ganze Reihe von Antworten. Eine davon hat allerdings tatsächlich mit Brot zu tun. Before I die möchte ich einmal ein richtig leckeres Brot selber backen; ein Brot mit einer knusprigen Kruste und einem weichen luftigen Innenleben. Ein Brot, wie aus jener Fernsehwerbung, in der ein Laib in Zeitlupe gebrochen wird. Dabei hört man, wie die Kruste krachend auseinander bricht und hundert kleine Stücke zu Boden fallen. Die Fasern des luftigen Innenteils werden langsam auseinander gerissen. Für mich ist das eine der schönsten Werbungen überhaupt.

Ja, mein täglich Brot würde ich gerne für mich backen. Jetzt fragt ihr euch vielleicht, warum man sowas unbedingt selber machen muss. Leckere Brote gibt es doch an jeder Ecke zu kaufen. Aber ich will es eben selber machen. Selber! Denn ich finde, wer sein tägliches Brot nicht selbst backen kann, ist nicht lebensfähig. Was nützt es schon, wenn man den Akkusativ vom Dativ unterscheiden kann, die sieben Bundesräte kennt, alle Passwörter zu seinen technischen Geräten weiss, zu „When I get older“ im Takt schnippen kann, „Sofies Welt“ auf Norwegisch gelesen hat und ohne Gebrauchsanleitung die Ferse eines Sockens stricken kann? Allein das Brot hält einen am Leben. Alles Andere ist Aufstrich. Allerdings möchte ich an dieser Stelle betonen, dass mir natürlich auch der Aufstrich sehr wichtig ist. Mein Kühlschrank kann das bestätigen. Nun gut, dann kann man sich noch fragen, wo denn das Problem mit dem Backen liegt. Just do it before you die! Da geht man halt einfach in einen Laden, kauft Hefe, Salz und Mehl, nimmt ein Kochbuch zur Hand und befolgt die Anleitung. Doch das ist nicht so einfach, wie es klingt; jedenfalls nicht bei mir. Irgendwie will es bei mir mit der Hefe nie so recht klappen. Mit meinen beinharten Zöpfen könnte ich Menschen totschlagen und meine Vollkornbrote würden sich im besten Fall als Briefbeschwerer eignen, ausserdem bröckeln sie beim Schneiden kläglich auseinander.

Kurz: Ich stehe unter einem Hefefluch und leide an einem Brotkomplex. Schön für mich, dass ich darüber schreiben konnte. Sorry, dass ihr es lesen musstet. Nichtsdestotrotz finde ich, dass der Werbeslogan „Before I die, I want to…“ als Gedankenanstoss durchaus seine Daseinsberechtigung hat.

Gedanken

An meinem Kühlschrank hängt ein Magnet, da steht drauf: „Heut mach ich mir kein Abendbrot, heut mach ich mir Gedanken.“ Gestern bin ich dieser Aufforderung nachgekommen. Das ist ehrlich gesagt etwas ausgeartet. Wenn jemand auf eine meiner Fragen eine Antwort hat, wisst ihr ja, wo ihr mich findet. Also, ich habe mich gefragt, ob das Licht im Kühlschrank an ist, wenn die Türe zu ist. Wie das Zugteam aussieht, in dessen Namen mich jeden Morgen über den Lautsprecher im Zug eine freundliche Stimme begrüsst. Warum Dampfnudeln „Dampfnudeln“ heissen. Ob Frösche auch Schluckauf kriegen. Wie man das Ding nennt, mit dem man im Laden auf dem Fliessband seine Waren von jenen des nächsten Kunden trennt. Ob Schöftland eine Königin hat. Wie man ein Fixleintuch richtig zusammenlegt… Fragen über Fragen.

„Man weiss so wenig!“ Würde Erich Kästner dazu sagen.

Hohelied auf den Kühlschrank

Dies ist ein Gedicht für dich, mein Kühlschrank,
der treu in meiner Küche steht.
Dies ist für deinen klebrigen Griff und deine leise Stimme,
für deine Schubladen, Fächer und Tablare
und für dein Gefrierfach.
Und dies ist für all die Male, die du mich getröstet hast,
wenn ich nachts nicht schlafen konnte,
für die Kalorien, die du hütest,
und die Diskretion, mit der du diese freigibst.
Dies ist für die Weisheit,
die auf Magneten und Karten an deiner Türe haftet.
Dies ist ein Gedicht für dich, mein Kühlschrank,
der du meinen Leib und meine Seele nährst,
immerdar.