Die sagenhafte Karriere von Has und Huhn

Ein Hase sass im hohen Gras
und machte sich den Hintern nass.
Einmal im Jahr, da legte er
die Eier selbst, das fiel ihm schwer.

Denn keine Eier wollten kommen
obwohl er extra was genommen,
das den Prozess erleichtern sollte,
wenn er nicht konnte aber wollte.

Als er noch feste weiterdrückte
und kein Ei nach aussen rückte,
kam des Nachbars Huhn hinzu
und fragte interessiert: „Nanu?

Was machst du da, du Hoppelhase?“
Der Hase rümpfte nur die Nase:
„Ich will für Ostern Eier legen.
Oder hast du was dagegen?“

„Nein“, sprach das Huhn, „doch scheint es mir,
es fällt dir schwer, drum Rat ich dir
als Spezialist in dieser Sache,
dass ich für dich die Eier mache.

Du kannst sie dann den Menschen bringen,
diskret und schnell. In solchen Dingen
Hast du das nötige Know-how“,
so sprach das Huhn; es war recht schlau.

Und so haben mit den Jahren
Has und Huhn mit Osterwaren
den Weltmarkt revolutioniert.
Ihr Bus’nessplan hat funktioniert.

Der Erfolg zeigt seine Spuren
der Has fährt Porsche, spritzt die Ohren,
das Huhn trägt Perlen, Gold und Nerz,
baut gold’ne Türme nur zum Scherz.

Man sagt, es dauert nicht mehr lang,
der Has plant schon den Börsengang.
S Huhn kandidiert, es ist banal,
bald für die Präsidentschaftswahl.

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Eieiei

Ein paar Eier räkelten sich auf dem Stroh im Hühnerhaus. Ostern standen vor der Tür und waren dementsprechend Gesprächsthema Nummer eins. „Ich liebe Ostern!“ schwärmte das Oster-Ei. „Ob Ostern oder Weihnachten, das ist mir egal“, entgegnete das Einerl-Ei. Hauptsache ich werde nicht wieder gefärbt. „Ein bisschen Farbe auf die Pelle würde dir aber gut tun“, entgegnete das Oster-Ei und sah Beifall heischend zum Maler-Ei. Dieses zuckte mit den Schultern und meinte, bei manchen Eiern würde auch die schönste Farbe nicht mehr viel nützen. Von wegen, dass ein Ei dem Anderen gleiche. So eine Fresse wie jene, des Einerl-Ei gebe es ja wohl kein zweites Mal.

Eine solche Provokation konnte selbst das Einerl-Ei nicht auf sich sitzen lassen. Es war im Grunde gelassen und als Einerl-Ei neutral. Die Neutralität galt aber nicht, wenn es von einem beliebigen Ei angegriffen wurde, so wie jetzt. Und so begann das Einerl-Ei das Maler-Ei zu beschimpfen, erst leise, dann immer lauter. Der Streit zwischen dem Einerl-Ei und dem Maler-Ei entging dem Raufer-Ei natürlich nicht und kam ihm gerade gelegen. Tatkräftig mischte es sich ein. Auch das Keiler-Ei kam dazu und folgte seiner Bestimmung. Es dauerte nicht lange, da krachten die ersten Schalen. Eiweiss und Eigelb vermischten sich mit Stroh und Hühnermist. Das freute das Sauer-Ei, das sich jauchzend in der glibberigen Masse wälzte. In kürzester Zeit glich das Hühnerhaus einem Schlachtfeld.

Als schliesslich das Poliz-Ei mit Blaulicht herbeigeeilt kam, war nur das Keinerl-Ei zu einer Aussage bereit. Diese brachte den Hüter der Ordnung und Sicherheit allerdings nicht wesentlich weiter. Das Poliz-Ei beschloss, die Aussage des Keinerl-Ei trotzdem zu Protokoll zu bringen. Gerade wollte es mit der Aufnahme der Personalien beginnen, da  stürzte der Hahn in das Hühnerhaus, sodass die Hühner gackernd auseinanderstoben. „Ein Unglück kommt selten allein“, murmelte das Zw-Ei altklug und gaffte unverhohlen auf die Szene, die sich vor seinen Augen abspielte. Der Hahn tat seine Pflicht und sorgte lautstark dafür, dass die zerbrochenen Eier wieder ersetzt wurden. Indessen hatten sich das Sauer-Ei, das Keiler-Ei und das Raufer-Ei mit dem Keinerl-Ei aus dem Staub gemacht. Auch das Poliz-Ei war nur noch damit beschäftigt, sich selbst vor dem Hahn in Sicherheit zu bringen. Und so war es zum Schluss halt doch wieder ein fall für das Zw-Ei.