Sommerwehmut

«Schön, dass wir nochmals … vielleicht ist es das letzte Mal», diesen Spruch habe ich diese Woche gleich mehrmals gehört: in der Gartenbeiz nach der Chorprobe, am Grillabend auf dem Mitarbeiterausflug und beim Schwimmen in der Limmat. Im Moment sind alle sommerwehmütig. Man könnte meinen, dass nach dem Sommer nichts mehr kommt. Oder anders gesagt: Die Endlichkeit des Sommers lehrt uns, den Moment zu geniessen.

Ist ja eigentlich eine gute Sache, wenn man bedenkt, dass wir heutzutage ständig ziemlich überall sind, ausser im hier und jetzt. Wir tippen auf dem Weg durch den Bahnhof auf dem Handy rum, haben schon seit Jahren auf unserer Pendlerstrecke nicht mehr aus dem Zugfenster geschaut, weil wir die Fahrt lieber dafür nutzen, in der Zeitung zu lesen, was am Tag zuvor in den USA, China oder Korea passiert ist. Wir gehen in Gedanken schon die Tischordnung für die Silvesterfeier durch, planen das überüberüberübernächste Wochenende und haben längst die Destinationen aller Urlaube für die nächsten drei Jahre festgelegt.

Da ist so ein (vielleicht letzter) Spätsommerabend doch Gold wert. Ja und zum Glück sage ich, zum guten Glück haben wir Jahreszeiten! Ich will ja nicht wissen, wie es denen geht, die am Äquator wohnen. Wenn alles immer gleich ist, haben die ja gar keine Gelegenheit, wehmütig die letzten Tage des Sommers und so den Moment zu geniessen. Die armen Ecuadorianer, Kenianer, Somalier und Indonesier. Wie schaffen, die es jemals, im hier und jetzt zu sein?

Oder ist es umgekehrt? Brauchen wir, weil wir nicht im Moment leben können, die Jahreszeiten während die Ecuadorianer, Kenianer, Somalier und Indonesier sowas gar nicht nötig haben, weil sie auch so den Augenblick geniessen können? Vielleicht müsste ich mal hinfahren und fragen… In vier Jahren finde ich möglicherweise ein langes Wochenende, an dem ich so ein Äquator-Studienreisli noch dazwischenschieben kann.

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Sommer-Hit 2017

Liebe Leserinnen und Leser

Alle, die schon seit Wochen ungeduldig auf den Sommer-Hit 2017 warten: Hier ist er! Ihr wisst schon, mit einem kühlen Getränk und Shoulder-Action singt er sich am besten nach der Melodie eurer Wahl. Und ihr solltet dazu natürlich schnippen, viel schnippen!

Ba-ba-ba-basilikum
Basilikum, sei’s drum
duftend, zart und grün
wächst er mir über die Ohren.

Pesto mag ich gern,
doch Tomaten-Mozzarella-Salat
ess‘ ich nur wegen dem
Ba-ba-ba-basilikum.

Die Minze rund herum,
die wächst mir bis zum Hals
bis ich sie trinke ohne
Ba-ba-ba-basilikum.

Nein, dazu nehm‘ ich Zitrone.
Doch weil die hier nicht wächst,
hol‘ ich sie mir beim Coop.
So geht Sommer!

Oder war das die Werbung
von der Migros?
Egal. Zum Schluss nochmals:
Ba-ba-ba-basilikum!

 

Sommer-Hit 2016

Liebe Leserinnen und Leser. Heute habe ich etwas ganz Besonderes für euch: Der Sommer-Hit 2016 ist da!

Zwischen Schauern schauen
Sie bange in den blauen
Himmel hoch und hoffen,
sie seien nicht ersoffen

Refrain:
„Seid froh“, sagt der Tiefdruck zu den Isobaren:
„Diesen Sommer müsst ihr nicht enthaaren!“
Huhu, Schubidubidu (inbrünstig wiederholen)

Geranien hinter’m Haus
ihr schaut so traurig aus
teilt eure feuchten Kübel
mit Pilzen, Moos: Ach übel!

„Seid froh“, sagt der Tiefdruck zu den Isobaren:
„Diesen Sommer müsst ihr nicht enthaaren!“
Huhu, Schubidubidu

Wolken haben sich verzogen
und gleich zwei Regenbogen
leuchten jetzt am Himmel.
Oder ist das Schimmel?

„Seid froh“, sagt der Tiefdruck zu den Isobaren:
„Diesen Sommer müsst ihr nicht enthaaren!“
Huhu, Schubidubidu

Dieser Sommer-Hit
reisst alle jene mit,
die liebend gern in Socken
schlafen und zu Hause hocken.

Jetzt alle zusammen:
„Seid froh“, sagt der Tiefdruck zu den Isobaren:
„Diesen Sommer müsst ihr nicht enthaaren!“
Huhu, Schubidubidu (schnippen)
Dubidubidu (Shoulder Action)
Dudu (Oh Yeah!)

Erdbegehren

Kein Nachtschattengewächs bist du.
Nein, du bist ein Kind der Sonne
und läutest verheissunsvoll den Sommer ein.
Schwester der Hagebutte, und Freundin der Rhabarber.
Süss und rot und rund, wie zu Früchten gewordene Küsse
schmückst du die grünen Stauden,
die sich in Reih und Glied
bis zum Horizont erstrecken.
Keck lugst du hervor,
bis ein Pflücker dich erhascht.
Dein kühles, dralles Fleisch in den Mund sich steckt.
Vollmundig und wohlgeformt bist du.
Und mitten in deinem Innern,
da ist ein kleiner Leerraum.
Was sich darin wohl befindet?
Es ist der Sommernachtstraum!